Es gibt Momente, in denen Worte schweigen und die Musik das Sprechen übernimmt. Momente, in denen ein Vater und seine Tochter nebeneinander sitzen und gemeinsam etwas erschaffen, das größer ist als die Summe seiner Teile. Musik, die Freude bringt, Abwechslung schenkt und den Aufenthalt in der Klinik auf besondere Weise bereichert — genau das durften unsere Patientinnen und Patienten erleben.
Aber fangen wir von vorne an. Denn diese Geschichte beginnt nicht mit zwei Musikern. Sie beginnt mit einem Patienten, einem Klavier — und einer Verbindung, die über den Klinikaufenthalt hinaus Bestand hat.
Ein Patient, ein Klavier und ein kleines Ritual
Lutz Rethberg war Patient bei uns in der Klinik. Nach einer Weile bemerkte er, dass er die Finger beweglich halten wollte — und handelte: Er bat seinen Nachbarn, sein Klavier zu ihm in die Klinik zu bringen. Was folgte, wurde schnell zu einem kleinen Ritual: Zur Mittagszeit saß Lutz im Foyer am Klavier und schenkte allen, die vorbeikamen oder verweilten, etwas Besonderes. Die Töne zogen durch die Flure und begleiteten den Alltag der Patientinnen und Patienten auf eine ganz eigene, wohltuende Weise.
Und diese Verbindung hielt an. Auch nach seinem Aufenthalt kommt Lutz gelegentlich mit seinem Klavier zu uns zurück — für die Menschen, die gerade hier sind und ihren eigenen schwierigen Moment durchleben. Manchmal bringt er dabei seine Tochter Josefine mit, die auf ihrem ganz besonderen Waschbrett begleitet.
Das Waschbrett — älter als der Jazz, jung wie der Moment
Lutz spielt Klavier — nicht als Hobby, sondern so, wie andere Menschen atmen. Und seine Tochter Josefine? Sie ist mit dieser Musik aufgewachsen. Schon als kleines Kind hat sie den Papa in seiner Band erlebt und gespürt, was Rhythmus mit einem Menschen machen kann. Später fand sie über eine Sambatruppe ihren eigenen Weg zur Musik. Der Rhythmus war ihr gegeben, sagt sie. Er saß. Er war da.
Und dann kam die Frage: das Waschbrett. Dieses schlichte, gerillte Haushaltsgerät hat sich einst seinen Weg in den alten Jazz gespielt — in New Orleans, auf den Straßen, wo Musik entstand, weil die Menschen kein anderes Instrument hatten. Ehrlich, direkt, perkussiv. Wie es dazu kam, erzählt Josefine selbst am schönsten:
„Papa ist eingefallen, dass er noch ein altes Waschbrett von der Oma hat — auf dem wurde früher wirklich noch gewaschen. Ich hab angefangen, es schön zu bemalen. Und dann hat er noch ein Becken, einen Holzklotz und eine Glocke drangebracht. Und so konnte es losgehen.“
Ein Instrument, das von der Oma stammt, von Josefines Händen verschönert und von Lutz mit Leben gefüllt wurde. Mehr Familiengeschichte geht kaum.
Wenn Schmerzen verstummen
Lutz erzählt etwas, das uns sehr berührt hat. Das Leben bringt manchmal Momente mit sich, in denen der Körper seine eigene Sprache spricht — Schmerzen, die auftauchen, mal leiser, mal lauter. Aber wenn Lutz spielt, wenn seine Hände die Tasten berühren und die Musik zu fließen beginnt, dann sind diese Schmerzen weg. Einfach fort. Als hätte der Körper verstanden, dass jetzt etwas Wichtigeres geschieht.
Das ist keine Metapher. Das ist gelebte Erfahrung. Und sie zeigt, was Musik mit uns machen kann — sie trifft uns dort, wo Worte nicht hinkommen, erinnert uns daran, dass da draußen Schönheit existiert. Manchmal ist genau das die stärkste Medizin.
Wenn Lutz und Josefine zusammen spielen, ist das mehr als ein Konzert. Es ist ein Beweis, dass Verbindung möglich ist — zwischen Generationen, zwischen Menschen, zwischen dem, was war und dem, was jetzt ist.
Musik ist heilsam. Das ist keine Poesie. Das ist Wirklichkeit.
Wer die beiden nicht nur lesen, sondern auch erleben möchte:
Auf unserem Instagram-Kanal teilen wir ein gemeinsames Video von Lutz und seiner Tochter Josefine — mit persönlichen Einblicken und kleinen Ausschnitten ihres Auftritts in unserer Klinik.
Musiktherapie: Wenn Töne zur Behandlung werden
Wenn wir an Lutz und Josefine denken — an den Vater am Klavier und die Tochter mit ihrem Waschbrett — wird deutlich, welche besondere Wirkung Musik auf Menschen haben kann. Sie begleitet, verbindet und schafft oft einen Zugang, der auf anderen Ebenen schwer erreichbar ist.
Was Lutz dabei ganz selbstverständlich beschreibt — die Kraft der Musik, zu berühren und zu stärken — spielt inzwischen auch therapeutisch eine wichtige Rolle. Und genau deshalb freuen wir uns, dass sich auch bei uns in der Klinik in diesem Bereich etwas Neues entwickelt hat. Mehr dazu erzählen wir in Kürze.
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Arbeiten, wo Menschlichkeit zählt
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